Die SFS Test Solution “Neurokognitiven Kurztestung” kann im klinisch-psychologischen und neuropsychologischen Bereich angewendet werden, um mögliche Einschränkungen der neurokognitiven Funktion zu erfassen. Die Feststellung des neurokognitiven Funktionsniveaus ist definitionsgemäß laut ICD-11 (WHO, 2022) notwendig für die Diagnostik neurokognitiver Störungen, wie etwa Demenz, Amnesie oder Delirium. Auch bei Störungen, welche neurokognitive Funktionseinschränkung nicht als diagnostisches Kernsymptom haben, kann eine neurokognitive Testung die Diagnostik, Prognose und das Monitoring maßgeblich unterstützen, so etwa bei Parkinson (Pourzinal et al., 2025), Multipler Sklerose (Meca-Lallana et al., 2021), Schlaganfällen (Quinn et al., 2018), Schädel-Hirn-Trauma (Halalmeh et al., 2024), Epilepsie (Vogt et al., 2017), Bipolare Störung (Tsitsipa et al., 2015), Posttraumatischer Belastungsstörung (Scott et al., 2015), Zwangsstörungen (Snyder et al., 2014), und Autismus-Spektrumsstörung (Velikonja et al., 2019).
Die Basis der “Neurokognitiven Kurztestung” bildet der DSM-V-TR (American Psychiatric Association, 2022), welcher die sechs neurokognitiven Domänen – Aufmerksamkeit, exekutive Funktion, Lernen und Gedächtnis, Sprache, Psychomotorik, und soziale Kognition – definiert. Sowohl der DSM-V-TR als auch der ICD-11 beschreiben die Testung neuropsychologischer Basisfunktionen als wichtigen Pfeiler der neuropsychologischen und klinischen-psychologischen Diagnostik, wobei das kognitive Profil sich sowohl zwischen den verschiedenen neurologischen oder psychiatrischen Störungen als auch zwischen Individuen mit derselben Diagnose stark unterscheiden kann. Die klinisch kognitive Kurztestung soll die zeitökonomische Erfassung der neurokognitiven Funktionen ermöglichen, und so klinische Diagnostik und Verlaufstestung unterstützen.
Die Testauswahl basiert auf obig erwähnten, diagnostischen Standardwerken, den Leitlinien für Diagnostik und Therapie der deutschen Gesellschaft für Neurologie für Gedächtnisstörungen (Thöne-Otto et al., 2020), Aufmerksamkeitsstörungen (Fimm et al., 2023) und Exekutive Dysfunktion (Müller et al., 2019), sowie aktuellen Befunden aus der wissenschaftlichen Literatur. Bezüglich der Faktorenstruktur der kognitiven Domänen schlussfolgerte eine Meta-Analyse über 11 881 Personen, dass sich die Zusammenhänge der Domänen am besten durch das CHC-Modell der Intelligenz (Cattell-Horn-Carroll-Modell; Schneider & McGrew, 2018) beschreiben lassen (Agelink van Rentergem et al., 2020). Insbesondere das Konstrukt der exekutiven Funktion zeigt sich ähnlich zur fluiden Intelligenz (van Aken et al., 2015), was sich auch in Läsionsstudien bestätigt (Barbey et al, 2012). Beispielsweise zeigte sich eine hohe Korrelation zwischen dem Tower of London Test der Planungsfähigkeit und dem Raven-Matrizentest der fluiden Intelligenz von r = ,55 in einem Sample von n = 830 (D’Antuono et al, 2016), was als Beleg für die konvergente Validität der Konstrukte gesehen werden kann. Aufgrund der obig genannten Befunde wurde für die “Neurokognitive Kurztestung” entschieden, einen für die klinische Praxis entwickelten Matrizentest (BMT; SCHUHFRIED, 2024c) in die Domäne der exekutiven Funktion zu integrieren. Derzeit nicht abgedeckt sind die neurokognitiven Domänen Sprache, Psychomotorik, Langzeitgedächtnis und soziale Kognition. Erfasst werden die Domänen:
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Aufmerksamkeit
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Verarbeitungsgeschwindigkeit (TMT-S, Teil A)
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Konzentrationsfähigkeit (TACO)
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Exekutive Funktion
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Kognitive Flexibilität (TMT-S, Teil B)
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Verbales Arbeitsgedächtnis (SPAN, Ziffernspanne rückwärts)
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Lernen und Gedächtnis
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Verbales Kurzzeitgedächtnis (SPAN, Ziffernspanne vorwärts)
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Logisches Schlussfolgern (BMT)
Je nach Fragestellung können der Testbatterie weitere Verfahren außerhalb der SCHUHFRIED Selection hinzugefügt werden, so etwa Theory-of-Mind (TOM; Brüne, 2018) bei (Verdacht auf) Autismus-Spektrumsstörung, oder Tests zum figuralen (FGT; Vetter et al., 2024) bzw. verbalen Langzeitgedächtnis und Lernfähigkeit (AWLT; Heßler & Jahn, 2023) bei (Verdacht auf) Demenzerkrankungen. Es ist zu beachten, dass bei Konfiguration der Testsequenz und der Ergänzung um Tests, die nicht Teil der SCHUHFRIED Selection sind, diese gemeinsame Ergebnisübersicht nicht mehr automatisiert zur Verfügung steht (siehe Hinweise zur Auswertung und Interpretation).
Die Durchführung der klinisch kognitiven Kurztestung dauert ohne Zusatztests etwa 40 Minuten.
Das Literaturverzeichnis finden Sie hier: Literatur