Bei der Entwicklung der SFS Test Solutions wurde darauf Wert gelegt, die höchstmöglichen Qualitätsstandards einzuhalten. Kriterien, anhand derer schon im Vorfeld abgeschätzt werden kann, wie gut ein psychologischer Test ist, sind einerseits die sogenannten Testgütekriterien (Objektivität, Reliabilität, Validität, Normierung, Skalierung, Ökonomie, Nützlichkeit, Zumutbarkeit, Unverfälschbarkeit, Fairness), die bei allen wissenschaftlich fundierten Tests angegeben sein sollten (vgl. EFPA, 2025; DIN 33430). Informationen zu den Testgütekriterien finden sich im Kapitel Gütekriterien.
Darüber hinaus gibt es Ansätze, nicht nur die einzelnen Tests, sondern den gesamten Auswahlprozess, respektive den gesamten klinisch-/neuropsychologischen Diagnostikprozess, einschließlich der Anforderungen an die durchführenden Personen, mit einer Qualitätsnorm zu belegen. Zu diesen Ansätzen gehören im deutschsprachigen Raum die DIN 33430 mit dem Titel „Anforderungen an Verfahren und deren Einsatz bei berufsbezogener Eignungsbeurteilung“ (DIN, 2016) und die „Anforderungen an Prozesse und Methoden in der Personalauswahl und –entwicklung“ (Österreichisches Normungsinstitut, 2017). Die DIN 33430 bezieht sich dabei nur auf Eignungsbeurteilungen, die ÖNORM D4000 auch auf berufsbezogene Interventionen und Evaluationen. Zudem wurden die DIN 33430 sowie weitere nationale und internationale Standards zu einer ISO-Norm 10667 “Assessment service delivery – Procedures and methods to assess people in work and organizational settings” weiterentwickelt. Die ISO 10667 ist jedoch eher auf den amerikanischen Markt zugeschnitten.
Für den Bereich der klinisch-psychologischen Diagnostik bilden vor allem die Vorgaben der aktuellen Diagnosemanuale DSM-5-TR (American Psychiatric Association, 2022) und ICD-11 (WHO, 2022), sowie nationale Leitlinien die entsprechende Basis der Qualitätsstandards, so etwa die Leitlinie für Diagnostik und Therapie der deutschen Gesellschaft für Neurologie für Gedächtnisstörungen (Thöne-Otto et al., 2020), Aufmerksamkeitsstörungen (Fimm et al., 2023) und Exekutive Dysfunktion (Müller et al., 2019).
Berufsbezogene Eignungsbeurteilung
Ziel der DIN 33430 ist es, mehr Sicherheit in die Anwendung berufsbezogener Eignungsverfahren zu bringen. Sie dient damit als notwendige Grundlage für gute Personalentscheidungen. Die Norm bezieht sich auf den gesamten Auswahlprozess: Von der Planung, Auswahl der Verfahren, Durchführung, Auswertung, Interpretation bis zur Entscheidungsbildung und Feedback an die Kandidaten und Kandidatinnen (z. B. Westhoff et al., 2005). Beispielsweise wird in der DIN 33430 festgelegt, dass die Normierung von psychologischen Tests alle 8 Jahre überprüft werden soll. Um dieses Kriterium zu erfüllen, besitzt die Firma SCHUHFRIED ein eigenes Testcenter für empirische Datenerhebungen, dessen Aufgabe die Erhebung aktueller Normdaten für die Testverfahren ist.
Laut DIN 33430 müssen Anforderungen der beruflichen Tätigkeit samt der erforderlichen Ausprägungsgrade erfasst werden. Wie hier vertiefend erklärt wird, liegen den Anforderungsanalysen für die SFS Berufe ebensolche Daten und Überlegungen zu Grunde. Bei der Auswahl der Anforderungen je Beruf wurde der notwendige Ausprägungsgrad stets berücksichtigt. Bei der Konzeption und Umsetzung der SFS Test Solutions wurde stets auf DIN-Konformität geachtet. Sämtliche Verfahren wurden nach DIN-Kriterien geprüft.
Ebenso sollen bei den ermittelten Anforderungen absehbare zukünftige Entwicklungen in Technik, Wirtschaft und Gesellschaft mitbedacht werden, um abzuschätzen, ob und wie sich möglicherweise Tätigkeiten, Arbeits- und Umfeldbedingungen verändern und sich auf die geforderten beziehungsweise zu fordernden Eignungsmerkmale auswirken. Daher beruhen die Daten der SFS Test Solutions auch auf aktuellen, staatlich geförderten Quellen und Studienergebnissen. Um dieses Kriterium auch in Zukunft einhalten zu können, werden die SFS Test Solutions laufend aktualisiert.
Weiters sollen die Eignungsmerkmale nicht nur abstrakt formuliert, sondern durch verhaltensnahe Schilderung von Beispielaussagen und/oder Beispielsverhaltensweisen konkretisiert werden. Bei der Erstellung der Testbatterien wurden Quellen verwendet, deren Anforderungsprofile typische Verhaltensweisen listen (siehe Tabelle bei SFS Dimensionen, sowie hier).
Anwender und Anwenderinnen sind angehalten zu beachten, dass in den SFS Test Solutions ausschließlich Anforderungen gelistet sind, die durch Testverfahren aus der SCHUHFRIED Selection abgedeckt werden können. In der aktuellen Version werden nicht alle arbeitsplatzanalytischen Methoden verwendet. Daher müssen fehlende Anforderungen durch weitere geeignete Verfahren und zusätzliche Tests außerhalb der SCHUHFRIED Selection erfasst werden. Laut der DIN 33430 sollen – insofern inhaltlich geboten – verschiedene Analysemethoden eingesetzt werden wie beispielsweise erfahrungsgeleitete Beurteilungen (aufgrund von Interviews mit Vorgesetzten, Kollegen, etc., und/oder Dokumentenanalysen) sowie (teil-)standardisierte mündliche Befragungen und Ähnliches. Detailliertere Informationen finden Sie hier.
Klinisch-psychologische und neuropsychologische Diagnostik
Für den Einsatz der SFS Test Solutions im Bereich der klinisch-psychologischen und neuropsychologische Diagnostik wurde ebenfalls die Einhaltung höchstmöglicher Qualitätsstandards verfolgt.
Die moderne klinische Neuropsychologie orientiert sich dabei an den Vorgaben der aktuellen Diagnosemanuale DSM-5-TR (American Psychiatric Association, 2022) und ICD-11 (WHO, 2022), welche die Testung neuropsychologischer Basisfunktionen als wichtigen Pfeiler der neuropsychologischen und klinischen-psychologischen Diagnostik definieren, sowie an nationalen Leitlinien, wie etwa die von der deutschen Gesellschaft für Neurologie herausgegebenen Leitlinien für Diagnostik und Therapie für Gedächtnisstörungen (Thöne-Otto et al., 2020), Aufmerksamkeitsstörungen (Fimm et al., 2023) und Exekutive Dysfunktion (Müller et al., 2019).
Die SFS Test Solutions setzen diese Forderungen um, indem praktisch tätigen Neuropsychologen und Neuropsychologinnen bzw. klinischen Psychologen und Psychologinnen eine computerbasierte Testsammlung aus spezifischen und sensiblen Verfahren zur Verfügung stellt, mit deren Hilfe anhand neurokognitiver Dimensionen der kognitive Status von Patienten und Patientinnen mit neurologischen Erkrankungen und/oder psychischen Störungen abgeklärt werden kann.
Aufgrund der Einschränkung der Testauswahl auf die, in der SCHUHFRIED Selection verfügbaren Verfahren erheben SFS Test Solutions jedoch nicht den Anspruch Vollständigkeit im Sinne einer umfassenden, leitliniengerechten kognitiven Leistungsdiagnostik. In Kontexten, wo dies gefordert ist (z. B.: sozialmedizinische Leistungsbegutachtung, versicherungsrechtliche Fragestellungen), sollte diese gegebenenfalls durch andere Tests außerhalb der SCHUHFRIED Selection ergänzt werden. Weiters erfordern individuelle diagnostische Fragestellungen häufig den Einsatz gezielter Zusatztests, welche über die neurokognitiven Basisdimensionen im Sinne des DSM-5-TR hinausgehen. Abschließend wird darauf hingewiesen, dass die Letztverantwortung für die neuropsychologische bzw. klinisch-psychologische Diagnostik und die daraus abgeleiteten Schlussfolgerungen und Therapieziele beim klinischen Anwender bzw. bei der Anwenderin bleiben muss, da das diagnostische Vorgehen einen komplexen Prozess darstellt, bei dem Informationen verschiedenster Quellen sowie die individuellen Gegebenheiten des Klienten integriert werden müssen (vgl. Psychologengesetz, 2013).
Das Literaturverzeichnis finden Sie hier: Literatur