Helikopterpilot/-in

Mit der Test Solution “Helikopterpilot/-in” kann die psychologische Eignung einer Person für den Beruf des Helikopterpiloten bzw. der Helikopterpilotin geprüft werden. Im Fokus stehen professionelle Pilotinnen und Piloten, die Hubschrauber im Personen-, Rettungs- oder Einsatzflug betreiben. Das Verfahren eignet sich für Bewerberinnen und Bewerber sowohl ohne als auch mit Vorerfahrung. Die Auswahl der Testdimensionen orientiert sich an den Leitlinien der International Air Transport Association (IATA, 2019), den Empfehlungen der European Union Aviation Safety Agency (EASA, 2019) sowie an empirischen Befunden zu den kognitiven, motorischen und persönlichkeitsbezogenen Anforderungen von Helikopterpilotinnen und -piloten (Bushby & Gaydos, 2023; Ceschi et al., 2019; Dickens, 2014; Dickens & Farrell, 2019; Grice & Katz, 2006; Grice & Katz, 2007; Hamlet et al., 2020; Hamlet et al., 2023; Pennings et al., 2020). Die Richtlinie für die Anforderungen an Piloten und Pilotinnen von der IATA umfasst in der Kategorie der grundlegenden mentalen Fähigkeiten die Verarbeitungsgeschwindigkeit, die Gedächtniskapazität, die Raumvorstellung, die Konzentrationsfähigkeit und das logische Denken. Darüber hinausgehend werden als operationale Fähigkeiten die manuelle Kontrolle, effektive Arbeitsteilung, das Problemlösen sowie als gemischte Fähigkeiten Multitasking, psychomotorische Fähigkeiten, Aufmerksamkeitskontrolle und Raumvorstellung angeführt. Ergänzend wurden Befunde aus der Forschung zur allgemeinen Piloteneignung (Al Mamari & Traynor, 2019, 2021; Breuer et al., 2023; Hunter & Burke, 1994; Johnson et al., 2017; Martinussen et al., 2022; Wang et al., 2018; Zierke, 2014) berücksichtigt, da sich die grundlegenden Anforderungen überschneiden.

Ein zentrales psychophysiologisches Risiko stellt räumliche Desorientierung (Spatial Disorientation) dar. Bushby und Gaydos (2023) berichten, dass 68 % der Hubschrauberbesatzungen während eines Trainingsflugs Desorientierungserfahrungen machten. Auch Pennings et al. (2020) zeigen, dass das Risiko räumlicher Desorientierung aufgrund niedriger Flughöhen, eingeschränkter Sichtbedingungen und der Nutzung von Nachtsichtsystemen bei Helikoptereinsätzen deutlich höher ist als im Starrflügelbetrieb. Dementsprechend bilden räumliches Vorstellungsvermögen sowie Situationsbewusstsein zentrale Dimensionen in der vorliegenden Test Solution (Bushby & Gaydos, 2023; Dickens & Farrell, 2019; Pennings et al., 2020; Al Mamari & Traynor, 2021; Hunter & Burke, 1994; Johnson et al., 2017; Martinussen et al., 2022).

Sowohl Studien im Bereich der allgemeinen Luftfahrtspsychologie (Al Mamari & Traynor, 2019; Hunter & Burke, 1994; Johnson et al., 2017; Martinussen et al., 2022) als auch Anforderungsanalysen für Helikopterpiloten und -pilotinnen (Hamlet et al., 2020; Hamlet et al., 2023) heben die Wichtigkeit der Fähigkeit des Multitaskings sowie der Konzentrationsfähigkeit (Zierke, 2014) hervor.

Ähnlich wie beim Flugzeugbetrieb (Hunter & Burke, 1994) ist auch das Reaktionsvermögen bzw. die reaktive Belastbarkeit, d. h. unter Belastung schnell und richtig reagieren zu können, im Helikopterbetrieb von Bedeutung. Diese Dimension spielt im Helikopterbetrieb aufgrund der im Vergleich zu Personenflugzeugen geringeren Flughöhe unter tendenziell widrigeren Bedingungen eine größere Rolle als bei Flugzeugpiloten (Dickens & Farrell, 2019).

Ein weiterer Unterschied zum Fliegen eines Flugzeugs liegt in der Notwendigkeit, bei manueller Bedienung nahezu durchgehend steuern zu müssen, um nicht von dem gewünschten Flugpfad abzuweichen und beim Schweben in der Luft eine sichere Position beizubehalten, ohne abzudriften. Dementsprechend ist eine dauerhaft präzise Hand-Augen-Koordination relevant, um dem gewünschten Flugpfad folgen zu können (Al Mamari & Traynor, 2019; Dickens & Farrell, 2019; Martinussen, 1996).

Studien zur zivilen und militärischen Pilotenauswahl zeigen weiters, dass logisches Denken, quantitative Fähigkeiten und das Arbeitsgedächtnis mit Ausbildungs- und Berufserfolg korrelieren (Al Mamari & Traynor, 2019; Hunter & Burke, 1994; Martinussen, 1996; Wang et al., 2018; Zierke, 2014). Diese kognitiven Fähigkeiten sind laut Ceschi et al. (2019) ebenfalls für Helikopterpiloten und -pilotinnen relevant.

Auch die Persönlichkeit spielt eine wichtige Rolle im Anforderungsprofil von Helikopterpilotinnen und Helikopterpiloten. Empirische Untersuchungen zeigen insbesondere die Bedeutung von emotionaler Stabilität und Gewissenhaftigkeit, da erfahrene Hubschrauberpilotinnen und Hubschrauberpiloten konsistent niedrige Werte in Neurotizismus sowie durchschnittlich bis erhöhte Werte in Gewissenhaftigkeit aufweisen, während Offenheit tendenziell geringer ausgeprägt ist (Grice & Katz, 2006, 2007; Dickens & Farrell, 2019). Diese Merkmalsausprägungen stehen für kontrolliertes, regelorientiertes Handeln und Belastbarkeit in sicherheitskritischen Situationen. Ergänzend weisen Anforderungsanalysen und Modelle nicht-technischer Kompetenzen auf die zentrale Bedeutung von Teamarbeit, Kommunikation und koordiniertem Entscheidungsverhalten hin (Ceschi et al., 2019; Hamlet et al., 2023), wodurch auch Verträglichkeit und Extraversion als relevante Persönlichkeitsdimensionen begründet werden. Insgesamt begünstigt dieses Persönlichkeitsprofil ruhiges Verhalten unter Stress, stabile Entscheidungsprozesse sowie eine effektive Zusammenarbeit im operationellen Einsatz.

Die Test Solution “Helikopterpilot/-in” umfasst somit die folgenden Dimensionen:

  • Reaktive Belastbarkeit (DT)

  • Multitasking-Fähigkeit (M-TASK), Screening: Geteilte Aufmerksamkeit (TACO)

  • Daueraufmerksamkeit (TACO)

  • Logisch-Schlussfolgerndes Denken, numerische Fähigkeit, Raumvorstellung (INT)

  • Auge-Hand-Koordination (2HAND)

  • Arbeitsgedächtnis (SPAN)

  • Überblicksgewinnung (ATAVT-2)

  • Persönlichkeit: Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit, Emotionale Stabilität (FCB5)      

Die Tabelle unterhalb gibt eine vollständige Übersicht der spezifischen Gewichtungen der Einzeltests zur Berechnung des Gesamtwerts für die Test Solution “Helikopterpilot/-in”. Für die Gewichtungen zur Berechnung des Gesamtwerts wurden die bestverfügbaren Effektgrößen in Bezug auf die Kriteriumsvalidität identifiziert. Weitere Informationen zur Berechnung und Interpretation des Ergebnisses einer Testung finden Sie auf der Seite: Hinweise zur Auswertung und Interpretation.

Helikopterpilot/-in

Gewichtung Standardform

Gewichtung Screeningform

Kognitive Fähigkeiten

75

75

Reaktive Belastbarkeit

10

-

Multitasking-Fähigkeit

13

-

Geteilte Aufmerksamkeit

-

23

Daueraufmerksamkeit

4

-

Logisch-schlussfolgerndes Denken

6

11

Numerische Fähigkeit

6

-

Raumvorstellung

12

26

Auge-Hand-Koordination

12

-

Arbeitsgedächtnis

5

-

Überblicksgewinnung

7

15

Persönlichkeit

25

25

Gewissenhaftigkeit

7

7

Emotionale Stabilität

10

10

Extraversion

4

4

Verträglichkeit

4

4

Offenheit

-

-

Zur Verfügung stehen eine Standardform und eine Screeningform. Die Standardform deckt das gesamte Fähigkeits- und Persönlichkeitsprofil ab und ist für vollständige Eignungsdiagnostik vorgesehen. Die Screeningform konzentriert sich auf die zentralen kognitiven Dimensionen (Raumvorstellung, Logisch-Schlussfolgerndes Denken, Überblicksgewinnung und Geteilte Aufmerksamkeit), sowie die relevanten Persönlichkeitseigenschaften. Für Multitasking-Fähigkeit existiert keine Paralleltestform, sodass bei einer Open-Mode-Vorgabe Übungseffekte und ein Bekanntwerden des Materials nicht ausgeschlossen werden könnten, daher wird die konvergent valide Dimension Geteilte Aufmerksamkeit vorgegeben. Die Testdauer beträgt etwa 128 Minuten für die Standard- und 40 Minuten für die Screeningform.


Das Literaturverzeichnis finden Sie hier: (8.30-de) Literatur