Fluglotse/Fluglotsin

Mit der Test Solution “Fluglotse/Fluglotsin” kann die psychologische Eignung einer Person für den Beruf des Fluglotsen bzw. der Fluglotsin geprüft werden. Sie eignet sich sowohl für die Testung von Personen, die sich für eine Ausbildung bewerben, als auch für die Auswahl von Bewerbenden mit bereits vorhandener Berufserfahrung. Daher orientiert sich die Auswahl der Testdimensionen an internationalen Standards zur Testung von angehenden Fluglotsinnen und Fluglotsen (Eurocontrol, FAA), den als relevant identifizierten Kompetenzen in den Leitlinien der International Civil Aviation Organization (ICAO, 2020) sowie an Befunden aus empirischen Einzelstudien (Seemüller et al., 2025; Roodbandi et al., 2025; Pecena et al., 2013) und Metaanalysen zum Zusammenhang zwischen psychometrischen Testergebnissen und Trainingserfolg bzw. Arbeitsleistung von Fluglotsen (Mouratille et al., 2022; Martinussen et al., 2000).

Kognitive Fähigkeiten stellen zentrale Prädiktoren für den Ausbildungserfolg von Fluglotsen und Fluglotsinnen dar (Mouratille et al., 2022; Seemüller et al., 2025) und zeigen generell für technisch-operative Berufe signifikante Zusammenhänge mit dem Trainingserfolg (Bertua et al., 2005). Metaanalysen konnten belegen, dass räumliches Vorstellungsvermögen eine besonders bedeutende Rolle für die Leistung in diesem Bereich spielt (Mouratille et al., 2022; Martinussen et al., 2000). Auch Fachpersonen schätzen diese Fähigkeit als besonders relevant für eine erfolgreiche Berufsausübung ein (Roodbandi et al., 2025). Entsprechend wird räumliches Vorstellungsvermögen auch in Fluglotsentestungen wie FEAST (Eurocontrol) und ATSA (FAA) überprüft.

Neben räumlichem Vorstellungsvermögen sind auch quantitative, verbale und logisch-schlussfolgernde Fähigkeiten mit dem Trainingserfolg von angehenden Fluglotsen und Fluglotsinnen korreliert. Während eine ältere Metaanalyse ähnlich hohe Zusammenhänge von mathematischer, verbaler und genereller kognitiver Fähigkeit mit Ausbildungs- und Berufserfolg fand (Martinussen et al., 2000), zeigt eine neuere Metaanalyse, dass quantitatives Wissen stärker mit dem Ausbildungserfolg korreliert als logisch-schlussfolgerndes Denken oder verbales Wissen (Mouratille et al., 2022). Diese Fähigkeiten können auch mit den Kompetenzen gemäß der ICAO Leitlinien für das Training von Fluglotsen und Fluglotsinnen (2020) gebracht werden, wie beispielsweise die Bedeutung von kommunikativen Fähigkeiten oder Problemlösefähigkeiten.

Der Beruf der Fluglotsinnen und Fluglotsen stellt hohe Anforderungen: Unter Bedingungen großer Unsicherheit und mit hohem Informationsvolumen müssen rasche und akkurate Entscheidungen getroffen werden – häufig mit sicherheitsrelevanten Folgen. Daher sind insbesondere die Aufmerksamkeit, das Arbeitsgedächtnis sowie Verarbeitungs- und Reaktionsgeschwindigkeit – häufig im Rahmen von Multitasking – von hoher Bedeutung. Diese Fähigkeiten stehen nachweislich mit Ausbildungs- und Berufserfolg im Zusammenhang bzw. werden von Fachpersonen als zentral eingeschätzt (Mouratille et al., 2022; Martinussen et al., 2000; Seemüller et al., 2025; Roodbandi et al., 2025; Pecena et al., 2013) und werden daher regelmäßig getestet (FEAST, ATSA). Als relevant kann dabei auch die rasche Überblicksgewinnung eingeschätzt werden. Diese kann in Verbindung mit der Kompetenzdefinition des Situationsbewusstsein der ICAO (2020) betrachtet werden, nach der eine effektive Situationswahrnehmung darin besteht, dass die aktuelle Situation überblickt und verstanden wird und zukünftige Ereignisse antizipiert werden. Konkret wird das beobachtbare Verhalten von Fluglosen und Fluglotsinnen unter anderem daran beschrieben, dass sie relevante Informationen überwachen, systematisch scannen und die gewonnen Informationen integrieren, um fundierte Entscheidungen treffen zu können.

Neben kognitiven Faktoren wird auch die Bedeutung der Persönlichkeit diskutiert. Während Metaanalysen keine signifikanten Effekte feststellen konnten (Mouratille et al., 2022; Martinussen et al., 2000), werden Eigenschaften wie Selbstkontrolle, Beharrlichkeit und Zuverlässigkeit von Experten als hochrelevant eingeschätzt. Eurocontrol stellt mit FEAST 3 zudem eine ergänzende Persönlichkeitstestung zur Verfügung.

Die Test Solution “Fluglotse/Fluglotsin” umfasst somit die folgenden Dimensionen:

  • Reaktive Belastbarkeit (DT)

  • Multitasking-Fähigkeit (M-TASK), Screening: Geteilte Aufmerksamkeit (TACO)

  • Logisch-schlussfolgerndes Denken (INT)

  • Numerische Fähigkeit (INT)

  • Verbale Fähigkeit (INT)

  • Raumvorstellung (INT)

  • Daueraufmerksamkeit (TACO)

  • Arbeitsgedächtnis (SPAN)

  • Überblicksgewinnung (ATAVT-2)

  • Persönlichkeit: Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit, Emotionale Stabilität (FCB5)      

Die Tabelle unterhalb gibt eine vollständige Übersicht der spezifischen Gewichtungen der Einzeltests zur Berechnung des Gesamtwerts für die Test Solution “Fluglotse/Fluglotsin”. Für die Gewichtungen zur Berechnung des Gesamtwerts wurden die bestverfügbaren Effektgrößen in Bezug auf die Kriteriumsvalidität identifiziert, wobei Ergebnisse aus Validierungsstudien und Metaanalysen im Bereich Ausbildungs- bzw. Berufserfolg von Fluglotsinnen und Fluglotsen berücksichtigt wurden. Weitere Informationen zur Berechnung und Interpretation des Ergebnisses einer Testung finden Sie auf der Seite: Hinweise zur Auswertung und Interpretation.

Fluglotse/Fluglotsin

Gewichtung Standardform

Gewichtung Screeningform

Kognitive Fähigkeiten

86

86

Reaktive Belastbarkeit

9

-

Multitasking-Fähigkeit

14

-

Geteilte Aufmerksamkeit

-

32

Logisch-schlussfolgerndes Denken

10

-

Numerische Fähigkeit

11

25

Verbale Fähigkeit

5


Raumvorstellung

13

29

Daueraufmerksamkeit

10

-

Arbeitsgedächtnis

7

-

Überblicksgewinnung

7

-

Persönlichkeit

14

14

Gewissenhaftigkeit

2

2

Emotionale Stabilität

4

4

Extraversion

2

2

Verträglichkeit

4

4

Offenheit

2

2

Zur Verfügung stehen eine Standardform und eine zeiteffiziente Screeningform. Die Standardform deckt das gesamte Fähigkeits- und Persönlichkeitsprofil ab und ist für vollständige Eignungsdiagnostik vorgesehen. Die Screeningform konzentriert sich auf die zentralen kognitiven Dimensionen (Raumvorstellung, Numerische Fähigkeit und Geteilte Aufmerksamkeit), sowie die relevanten Persönlichkeitseigenschaften; für Multitasking-Fähigkeit existiert keine Paralleltestform, sodass bei einer Open-Mode-Vorgabe Übungseffekte und ein Bekanntwerden des Materials nicht ausgeschlossen werden können, daher wird die konvergent valide Dimension Geteilte Aufmerksamkeit vorgegeben. Die Testdauer beträgt etwa 129 Minuten für die Standard- und 38 Minuten für die Screeningform.


Das Literaturverzeichnis finden Sie hier: (8.30-de) Literatur