Mit der Test Solution “Drohnenpilot/-in” kann die psychologische Eignung für den Beruf des Drohnenpiloten bzw. der Drohnenpilotin geprüft werden. Das Verfahren eignet sich sowohl für Bewerberinnen und Bewerber mit als auch ohne Vorerfahrung. Die Auswahl der Testdimensionen orientiert sich an internationalen Standards und Vorgaben der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA-Regulation: European Union Aviation Safety Agency, 2024), an Forschungsergebnissen des Militärs der Vereinigten Staaten von Amerika (Barron et al., 2016; Carretta & Rose, 2017; Carretta et al., 2015; Rose et al., 2013; Rose et al., 2014), sowie an Anforderungsanalysen und empirischen Befunden zur Eignungsdiagnostik von Drohnenpiloten und Drohnenpilotinnen (Adams & Hagl, 2025; Biggerstaff et al., 1998; Duvillard-Monternier et al., 2023; Pagan et al., 2015; Qi et al., 2018; Trent & Barron, 2021). Ebenfalls wurde eine Studie der norwegischen Polizei über die Personalauswahl im Bereich des Drohnenflugs mithilfe des Wiener Testsystems von Schuhfried bei der Erstellung der Test Solution berücksichtigt (Johnsen et al., 2023). Die EASA-Regulation fordert von Piloten und Pilotinnen, dass sie ihre Arbeitslast und ihren Flugpfad gut managen können, operationale Prozeduren korrekt durchführen, über ein gutes Situationsbewusstsein verfügen und Persönlichkeitseigenschaften aufweisen, die gutes Führungsverhalten, Teamwork und Selbstmanagement begünstigen.
Um unbemannte Fluggeräten sicher und erfolgreich steuern zu können, spielen die Raumvorstellung (Adams & Hagl, 2025; Biggerstaff et al., 1998; Carretta & Rose, 2017; Duvillard-Monternier et al., 2023; Johnsen et al., 2023; Rose et al., 2013; Rose et al., 2014; Trent & Barron, 2021) sowie die Konzentrationsfähigkeit (Carretta & Rose, 2017; Johnsen et al., 2023; Rose et al., 2013; Rose et al., 2014) eine zentrale Rolle und stellen valide Prädiktoren für den beruflichen Erfolg bei Trainingsmissionen dar (Trent & Barron, 2021). Die Konzentrationsfähigkeit wurde in empirischen Studien und Anforderungsprofilen einerseits als selektive, fokussierte Aufmerksamkeit bzw. Daueraufmerksamkeit untersucht (Carretta & Rose, 2017; Duvillard-Monternier et al., 2023; Johnsen et al., 2023) und andererseits als geteilte Aufmerksamkeit oder Multitasking beforscht (Carretta & Rose, 2017; Johnsen et al., 2023; Rose et al., 2013; Rose et al., 2014; Trent & Barron, 2021). Sowohl die Daueraufmerksamkeit als auch Multitasking-Fähigkeit / geteilte Aufmerksamkeit sind daher für die erfolgreiche Berufsausübung relevant. Über Raumvorstellung und Aufmerksamkeit hinausgehend ist auch die kognitive Dimension des „logisch-schlussfolgernden Denkens“ in den meisten Anforderungsanalysen vorzufinden (Adams & Hagl, 2025; Barron et al., 2016; Carretta & Rose, 2017; Johnsen et al., 2023) und korreliert empirisch mit dem Ausbildungs- bzw. Missionserfolg im militärischen Kontext (Trent & Barron, 2021).
Um auch in ambivalenten und zeitkritischen Situationen richtige Entscheidungen treffen zu können, ist eine schnelle Informationsverarbeitung und ein schnelles Reaktionsvermögen unter Belastung sowie eine gute Aufmerksamkeitskontrolle und reaktive Belastbarkeit notwendig (Barron et al., 2016; Carretta & Rose, 2017; Duvillard-Monternier et al., 2023; Pagan et al., 2015; Rose et al., 2013). Zusätzlich zur Reaktionsfähigkeit unter Belastung ist ein gutes Situationsbewusstsein wesentlich, um Fehlentscheidungen zu vermeiden (Adams & Hagl, 2025; Carretta & Rose, 2017; Duvillard-Monternier et al., 2023; Pagan et al., 2015; Rose et al., 2013). Zudem sind auch psychomotorische Fähigkeiten wie die Auge-Hand-Koordination für ein zielgenaues Steuern des unbemannten Fluggeräts von großer Bedeutung für Drohnenpiloten und Drohnenpilotinnen (Carretta & Rose, 2017; Pagan et al., 2015; Rose et al., 2013; Rose et al., 2014). Erste empirische Ergebnisse deuten weiters darauf hin, dass das Arbeitsgedächtnis für Drohnenpiloten und Drohnenpilotinnen mit der Leistung in einer simulierten sowie realen standardisierten Flugprobe zusammenhing (Ramallo-Luna et al., 2025).
Neben kognitiven Faktoren zeigen auch Persönlichkeitsmerkmale relevante Zusammenhänge mit erfolgreicher Leistung von Drohnenpilot:innen. Über verschiedene Anforderungsanalysen und empirische Untersuchungen hinweg werden insbesondere Gewissenhaftigkeit sowie emotionale Stabilität als zentrale Prädiktoren hervorgehoben, da sie mit Zuverlässigkeit, Selbstdisziplin, regelkonformem Verhalten und Belastbarkeit unter Stress in Verbindung stehen (Carretta & Rose, 2017; Duvillard-Monternier et al., 2023; Pagan et al., 2015; Qi et al., 2018; Rose et al., 2013). Verträglichkeit und teilweise Extraversion zeigen ergänzende, jedoch weniger konsistente Zusammenhänge, insbesondere im Kontext von Teamarbeit, Kommunikation und koordiniertem Crew-Handeln (Barron et al., 2016; Duvillard-Monternier et al., 2023; Pagan et al., 2015). Für Offenheit ergibt sich hingegen ein heterogenes Bild: Während sie in einzelnen Anforderungsanalysen als potenziell relevant diskutiert wird, berichten empirische Studien überwiegend geringe oder inkonsistente Zusammenhänge mit Leistung; in spezifischen Trainingskontexten wurde höhere Offenheit sogar mit geringerer Performance in Verbindung gebracht (Barron et al., 2016; Rose et al., 2014). Insgesamt deutet die Befundlage darauf hin, dass vor allem Gewissenhaftigkeit und emotionale Stabilität robuste persönlichkeitsbezogene Prädiktoren für den Erfolg im Drohnenpilot:innenkontext darstellen.
Die Test Solution “Drohnenpilot/-in” umfasst somit die folgenden Dimensionen:
-
Reaktive Belastbarkeit (DT)
-
Multitasking-Fähigkeit (M-TASK) Screening: Geteilte Aufmerksamkeit (TACO)
-
Daueraufmerksamkeit (TACO)
-
Logisch-Schlussfolgerndes Denken (INT)
-
Raumvorstellung (INT)
-
Auge-Hand-Koordination (2HAND)
-
Arbeitsgedächtnis (SPAN)
-
Überblicksgewinnung (ATAVT-2)
-
Persönlichkeit: Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit, Emotionale Stabilität (FCB5)
Die Tabelle unterhalb gibt eine vollständige Übersicht der spezifischen Gewichtungen der Einzeltests zur Berechnung des Gesamtwerts für die Test Solution “Drohnenpilot/-in”. Für die Gewichtungen zur Berechnung des Gesamtwerts wurden die bestverfügbaren Effektgrößen in Bezug auf die Kriteriumsvalidität identifiziert. Weitere Informationen zur Berechnung und Interpretation des Ergebnisses einer Testung finden Sie auf der Seite: Hinweise zur Auswertung und Interpretation.
|
Drohnenpilot/-in |
Gewichtung Standardform |
Gewichtung Screeningform |
|---|---|---|
|
Kognitive Fähigkeiten |
75 |
75 |
|
Reaktive Belastbarkeit |
11 |
- |
|
Multitasking-Fähigkeit |
14 |
- |
|
Geteilte Aufmerksamkeit |
- |
26 |
|
Daueraufmerksamkeit |
7 |
- |
|
Logisch-schlussfolgerndes Denken |
9 |
23 |
|
Raumvorstellung |
14 |
26 |
|
Auge-Hand-Koordination |
9 |
- |
|
Arbeitsgedächtnis |
4 |
- |
|
Überblicksgewinnung |
7 |
- |
|
Persönlichkeit |
25 |
25 |
|
Gewissenhaftigkeit |
9 |
9 |
|
Emotionale Stabilität |
9 |
9 |
|
Extraversion |
3 |
3 |
|
Verträglichkeit |
4 |
4 |
|
Offenheit |
- |
- |
Zur Verfügung stehen eine Standardform und eine Screeningform. Die Standardform deckt das gesamte Fähigkeits- und Persönlichkeitsprofil ab und ist für vollständige Eignungsdiagnostik vorgesehen. Die Screeningform konzentriert sich auf die zentralen kognitiven Dimensionen (Raumvorstellung, Logisch-Schlussfolgerndes Denken und Geteilte Aufmerksamkeit), sowie die relevanten Persönlichkeitseigenschaften. Für Multi-Tasking existiert keine Paralleltestform, sodass bei einer Open-Mode-Vorgabe Übungseffekte und ein Bekanntwerden des Materials nicht ausgeschlossen werden könnten, daher wird die konvergent valide Dimension Geteilte Aufmerksamkeit vorgegeben. Die Testdauer beträgt etwa 113 Minuten für die Standard- und 37 Minuten für die Screeningform.
Das Literaturverzeichnis finden Sie hier: (8.30-de) Literatur