Mit den Test Solutions “Studierfähigkeit” und “Studierfähigkeit - Form für technische Studienrichtungen” stehen Testbatterien zur Verfügung, mit welcher die psychologischen Voraussetzungen einer Person für akademischen Erfolg untersucht werden können. Die Testbatterie zur Erfassung der Studierfähigkeit steht als Standardform und in einer erweiterten Form für technische Studienrichtungen zur Verfügung und gründet auf einer breiten empirischen Basis zur Vorhersage akademischen Erfolgs. Die entsprechenden Prädiktoren umfassen dabei sowohl kognitive Fähigkeiten als auch Persönlichkeitsmerkmale und berufliche Interessen, wobei die Auswahl der spezifischen Dimensionen sich auf robuste empirische Befunde aus groß angelegten Metaanalysen und Längsschnittstudien zur Vorhersage schulischer und akademischer Leistung beziehen. Generell erweisen sich kognitive Fähigkeiten konsistent als stärkste Einzelprädiktoren für Studienleistungen. Eine umfassende Metaanalyse von Roth et al. (2015), in der 240 Stichproben aus 33 Ländern mit einer Gesamtstichprobengröße von N = 105 158 ausgewertet wurden, dokumentiert eine korrigierte Populationskorrelation von ρ = ,54 zwischen Leistungen in verschiedenen standardisierten kognitiven Leistungstests und Schulnoten. Deary et al. (2007) demonstrieren in einer Längsschnittstudie mit über 70 000 englischen Kindern eine Korrelation von r = ,81 zwischen allgemeiner Intelligenz (psychometrisches g) im Alter von 11 Jahren und diversen schulisch-akademischen Leistungen im Alter von 16 Jahren. Peng et al. (2019) bestätigen in ihrer Metaanalyse, dass die allgemeine Intelligenz durchschnittlich r² = ,54 der Varianz akademischer Leistungen erklärt. Logisch-schlussfolgerndes Denken korreliert in diesen Studien besonders stark mit Prüfungs- und Abschlussnoten, numerische Fähigkeiten sagen Studienerfolg in MINT-Fächern zuverlässig vorher und verbale Fähigkeiten beeinflussen Noten in geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern (Roth et al., 2015; Peng et al., 2019). Die Konzentrationsfähigkeit ist nach Gallen et al. (2023) ein signifikanter Prädiktor für schulische und fachbezogene Leistungen, während Langzeitgedächtnisleistung mit der Fähigkeit verknüpft ist, komplexe Konzepte nachhaltig zu speichern und anzuwenden (Zainuddin et al., 2024). Für technische Studienrichtungen wurde ergänzend Raumvorstellung aufgenommen, da diese Fähigkeit neben verbaler und numerischer Intelligenz zusätzliche Varianz in ingenieurwissenschaftlichen Noten erklärt (Berkowitz & Stern, 2018). Eine Reihe an Forschungsergebnissen zeigen, dass Raumvorstellung ein wesentlicher Prädiktor für den Erfolg von Beruf und Ausbildung in den MINT-Fächern ist (National Research Council [NRC], 2015; Lubinski, 2010; Uttal & Cohen, 2012), und sogar über die Erfassung von quantitativen und verbalen Fähigkeiten hinaus inkrementelle, prädiktive Validität für den beruflichen und akademischen Erfolg liefert (Berkowitz & Stern, 2018; Shea et al., 2001; Webb et al., 2007).
Für die Persönlichkeitsdomänen bestätigt die Metaanalyse von Mammadov (2022) mit 67 Stichproben (N = 55 260) eine moderate inkrementelle Validität der Big-Five-Dimensionen für Hochschulleistungen: Gewissenhaftigkeit resultiert dabei, kontrolliert um kognitive Fähigkeiten, als stärkster Prädiktor für akademische Leistung (ρ = ,27), gefolgt von Offenheit für Erfahrungen (ρ = ,16) und Verträglichkeit (ρ = ,09), während emotionale Stabilität und Extraversion vernachlässigbare Effekte (ρ zwischen ,01 und ,02) zeigen. Rani Bhattacharjee & Ramkumar (2025) zeigen ebenso in einer Einzelstichprobe mit 384 Studierenden, dass Gewissenhaftigkeit der stärkste Persönlichkeitsprädiktor für den Notendurchschnitt ist (β = ,42, p < ,001), gefolgt von Offenheit (β = ,28, p < ,01) und emotionaler Stabilität (β = ,19, p < ,05). Insgesamt zeigt sich, dass Gewissenhaftigkeit als zentraler Treiber akademischer Leistung hervortritt, Offenheit wesentlich für intellektuelle Neugier und Forschungserfolg ist und emotionale Stabilität, Extraversion sowie Verträglichkeit jeweils spezifische, aber geringere Beiträge leisten (Mammadov, 2022; Wang et al., 2023). Die empirische Evidenz zeigt auch, dass die prädiktive Kraft von Persönlichkeitsmerkmalen insgesamt deutlich geringer ausfällt als die der kognitiven Fähigkeiten: Während Intelligenz durchschnittlich 22,9% (R² = ,229) der Varianz von Studienleistungen (GPA) erklärt, erreichen Persönlichkeitsmerkmale nur 2,4 % (R² = ,024) (Zisman & Ganzach, 2022).
Basierend auf diesen Ergebnissen werden mit der Test Solution “Studierfähigkeit” die folgenden Dimensionen erfasst:
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Kognitive Fähigkeiten: Logisches Schlussfolgern (INT), Numerische Fähigkeit (INT), Verbale Fähigkeit (INT), Raumvorstellung (INT; nur für technische Studienrichtungen), Langzeitgedächtnis (INT), Konzentrationsfähigkeit (TACO), Mechanisch-technisches Verständnis (MECH; nur für technische Studienrichtungen)
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Persönlichkeit: Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit und Emotionale Stabilität (FCB5)
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Interesse: Praktisch-technische Interessen, Intellektuell-forschende Interessen, Künstlerisch-sprachliche Interessen, Soziale Interessen, Unternehmerische Interessen und Ordnend-verwaltende Interessen (PRIO)
Die Auswahl der Dimensionen für die Testbatterie zur Test Solution “Studierfähigkeit” erfolgte auf Basis umfangreicher Forschung zu Prädiktoren von schulischem und akademischem Erfolg, die zeigt, dass die Kombination aus kognitiven Fähigkeiten und Big-Five-Persönlichkeitsmerkmalen eine substanzielle Vorhersagekraft besitzt. Für die Eignungstestung von Studierenden stehen eine Standardform, sowie eine Form für technische Studienrichtungen, mit den zusätzlichen Dimensionen Raumvorstellung und mechanisch-technisches Verständnis, zur Verfügung. Die Testdauer der Standardform beträgt etwa 82 Minuten, die der Form für technische Studienrichtungen etwa 102 Minuten.
Das Literaturverzeichnis finden Sie hier: Literatur