Führung

Mit der Test Solution „Führung“ können die psychologischen Voraussetzungen einer Person für erfolgreiches Führungsverhalten untersucht werden. Führungseffektivität wird dabei in gängigen Metaanalysen als zusammenfassendes Maß der Erfüllung der Führungsrolle definiert, etwa durch objektive Leistungs- und Produktivitätsmaße, Zielerreichung, sowie die Zufriedenheit und Bewertung durch Mitarbeitende oder Vorgesetzte. Integrative Führungsmodelle gehen daher davon aus, dass kognitive Fähigkeiten und Persönlichkeit gemeinsam mit Führungsmotivation jene distalen und proximalen Einflussfaktoren darstellen, welche die Entwicklung und Ausübung von kompetentem Führungsverhalten wesentlich bestimmen (vgl. DeRue et al., 2011; Badura et al., 2020).

Allgemeine kognitive Fähigkeit (g) begünstigt erfolgreiche Führungsleistungen, da sie wesentlich zur Lösung komplexer Probleme, zur Analyse dynamischer Situationen und zur Auswahl angemessener Handlungsstrategien beiträgt. In der Führungsforschung gibt es seit Langem deutliche Hinweise darauf, dass kognitive Fähigkeiten zu den distalen Prädiktoren wirksamer Führung gehören. Eine umfassende Metaanalyse von Judge et al. (2004) mit k = 151 Stichproben und insgesamt N = 40.652 Personen dokumentiert einen korrigierten[1] Zusammenhang von ρ = ,21 zwischen allgemeiner kognitiver Fähigkeit und Führungseffektivität. Eine separate Analyse von Badura et al. (2020) bestätigt für dieselbe Fähigkeit kleinere, aber stabile Zusammenhänge von ρ = ,15 (k = 38), was die Rolle kognitiver Fähigkeiten als robusten, wenngleich nicht wichtigsten Einflussfaktor hervorhebt. Die relative Gewichtung der spezifischen kognitiven Fähigkeiten wurde in der vorliegenden Test Solution auf Basis ihrer jeweiligen Ladung auf g vorgenommen (SCHUHFRIED, 2025e).

Neben kognitiven Fähigkeiten erweisen sich Persönlichkeitsmerkmale als zentrale distale Einflussfaktoren im Führungsprozess. Eine großangelegte Metaanalyse von Badura et al. (2020), welche k = 63 Stichproben mit jeweils mehreren tausend Personen je Variable umfasst, zeigte, dass insbesondere die Big-Five-Dimensionen Extraversion (ρ = ,31) und Gewissenhaftigkeit (ρ = ,28) substanzielle Zusammenhänge mit Führungseffektivität und Führungsverhalten aufweisen. Offenheit (ρ = ,24) und Emotionale Stabilität (ρ = ,24) zeigen ähnlich hohe Zusammenhänge, während für Verträglichkeit ein sehr geringer negativer Zusammenhang von ρ = -,08 berichtet wird. Diese Befunde decken sich mit früheren Metaanalysen, die sehr ähnliche Effektstärken für die Vorhersage von Führungseffektivität fanden (vgl. DeRue et al., 2011). Insgesamt zeigt sich, dass die Kombination aus kognitiven Fähigkeiten und den Big-Five-Persönlichkeitsdimensionen eine substanzielle Vorhersagekraft für Führungserfolg besitzt – so zeigt sich etwa für die meta-analytische Korrelationsmatrix von Badura et al. (2020) eine Varianzerklärung von R² = ,24 für kognitive Fähigkeiten und Persönlichkeit hinsichtlich der Führungseffektivität, während Führungsmotivation nach Kontrolle der Persönlichkeit eine untergeordnete Rolle spielt[2] - dies unterstreicht empirisch die Relevanz dieser distalen Prädiktoren. Distale Prädiktoren haben zudem gegenüber proximalen Prädiktoren wie Interessen und Motivation den Vorteil, dass sie eine höhere zeitliche Stabilität aufweisen und somit eine langfristige Vorhersage des Führungspotenzials ermöglichen.

Die Test Solution “Führung” erfasst die folgenden Dimensionen:

  • Kognitive Fähigkeit: Logisch-schlussfolgerndes Denken, numerische, und verbale Fähigkeit (INT)

  • Persönlichkeit: Offenheit, Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Verträglichkeit, Emotionale Stabilität (FCB5)

Die Tabelle unterhalb gibt eine vollständige Übersicht der spezifischen Gewichtungen der Einzeltests zur Berechnung des Gesamtwerts für die Test Solution “Führung”. Die Gewichtung basiert auf der Korrelationsmatrix nach Badura et al. (2020) anhand welcher eine Relative Importance Analysis (RIA) nachberechnet wurde (R-Paket relaimpo: Grömping, 2006; lineare RIA: Lindeman et al., 1980, S. 119ff), was gegenüber der Verwendung meta-analytischer Regressiongewichte zu bevorzugen ist (vgl. Darr & Catano, 2016). Weitere Informationen zur Berechnung und Interpretation des Ergebnisses einer Testung finden Sie auf der Seite: Hinweise zur Auswertung und Interpretation.

Führung

Gewichtung

Kognitive Fähigkeiten

27

Logisches Schlussfolgern

10

Numerische Fähigkeit

9

Verbale Fähigkeit

8

Persönlichkeit

73

Gewissenhaftigkeit

24

Emotionale Stabilität

10

Extraversion

26

Verträglichkeit

-

Offenheit

13

Die Test Solution “Führung” ermöglicht auf dieser Grundlage eine zeitökonomische, fundierte und wissenschaftlich begründete Einschätzung des Potenzials einer Person, kompetentes und effektives Führungsverhalten zu entwickeln und in der Praxis umzusetzen. Zur ergänzenden Erfassung der Führungsmotivation steht Ihnen der MAP (Management Potenzialanalyse) über den Marketplace zur Verfügung. Es ist zu beachten, dass bei Konfiguration der Testsequenz und der Ergänzung um Tests, die nicht Teil der SCHUHFRIED Selection sind, der gemeinsame Ergebnisübersicht nicht mehr automatisiert zur Verfügung steht (siehe Hinweise zur Auswertung und Interpretation). Die Testdauer beträgt etwa 31 Minuten.


Das Literaturverzeichnis finden Sie hier: Literatur

[1] Alle berichteten Effektstärken für die Test Solution „Führung“ sind korrigiert für die Reliabilität des Kriteriums und des Prädiktors und somit mit ρ bezeichnet (vgl. Schmidt & Hunter, 1998).

[2] Berechnet anhand: image-20260209-113422.png , mit rxy: Vektor der Korrelationen zwischen Prädiktoren X und Kriterium Y, Rxx: Korrelationsmatrix der Prädiktoren untereinander (folgt aus Gleichung 3.5.2 und A1.1 in Cohen et al., 2003).