Polizist/in
Die Polizei nimmt eine zentrale gesellschaftliche Rolle ein, weshalb die Auswahl geeigneter Kandidatinnen und Kandidaten von besonderer Bedeutung ist. Fehlentscheidungen im Auswahlprozess sind mit hohen individuellen, organisatorischen und gesellschaftlichen Kosten verbunden. Entsprechend ist die Feststellung der physischen und psychischen Eignung international üblich und in vielen Ländern gesetzlich vorgeschrieben. Insbesondere der Einsatz psychometrischer Testverfahren ergänzend zu Interviews blickt – vor allem in den USA – auf eine lange Tradition zurück.
Bereits 2004 wurde eine einflussreiche, US-amerikanische Metaanalyse veröffentlicht, die untersuchte, in welchem Ausmaß kognitive und persönlichkeitsbezogene Merkmale Ausbildungsleistung, berufliche Leistung und dienstbezogene Probleme im Polizeikontext vorhersagen (Aamodt, 2004). Diese Metaanalyse wurde in den Folgejahren mehrfach aktualisiert und ist heute Bestandteil des Standardwerks Police Psychology (Aamodt & Brewster, 2022). Die Autoren fassen die Befunde dahingehend zusammen, dass Polizeibeamte mit höherer kognitiver Leistungsfähigkeit bessere Leistungen in der Ausbildung zeigen (r = ,34), höhere Leistungsbeurteilungen durch Vorgesetzte im Dienst erhalten (r = ,15), ein höheres Aktivitätsniveau aufweisen, etwa gemessen an Festnahmen oder Anzeigen (r = ,19), und seltener aus dem Dienst ausscheiden (r = −,09). Das formale Bildungsniveau sagt berufliche Leistung ebenfalls vorher, wird jedoch aus rechtlich-ethischen Gründen im polizeilichen Assessment in der Regel nicht berücksichtigt. Interviews weisen demgegenüber vergleichsweise geringe Validitäten auf und zeigen nur schwache Zusammenhänge sowohl mit Ausbildungsleistungen als auch mit dienstlicher Leistungsbeurteilung (Aamodt & Brewster, 2022).
Welche spezifischen Intelligenzdimensionen im Polizeikontext besonders relevant sind, ist bislang nicht durch Metaanalysen oder Einzelstudien mit ausreichend großen Stichproben untersucht worden. Entsprechend des breiten Anforderungsprofils im Polizeiberuf umfassen die von den jeweiligen Polizeiorganisationen eingesetzten Testbatterien im DACH-Raum (Österreich, Deutschland, Schweiz) sowie international ein breites Spektrum kognitiver Leistungsbereiche. Neben allgemeiner kognitiver Leistungsfähigkeit werden typischerweise logisch-schlussfolgerndes Denken, Gedächtnisleistungen, sprachliche und numerische Fähigkeiten, räumliches Vorstellungsvermögen sowie Lese- und Rechtschreibfähigkeiten erfasst.
Im Hinblick auf Persönlichkeitsmerkmale zeigen sich insgesamt kleine, jedoch konsistente Zusammenhänge mit polizeilicher Leistung. Die im Standardwerk Police Psychology berichteten unkorrigierten Korrelationen zwischen den Big-Five-Dimensionen und polizeilicher Leistung zeigten, dass Offenheit vor allem für den Ausbildungserfolg relevant ist und Verträglichkeit nach der Ausbildung kleine Effekte auf die berufliche Leistung hat - insbesondere Gewissenhaftigkeit und Emotionale Stabilität zeigen sich konsistent mit Erfolgskriterien im Polizeiberuf assoziiert (Aamodt & Brewster, 2022); dies bestätigt sich auch in einer weiteren Metaanalyse von Wilmot und Ones (2021).
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Ausbildungsleistung |
Berufliche Leistung |
Berufliche Leistung |
Dienstbezogene Probleme |
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Quelle |
Aamodt & Brewster, 2022 |
Aamodt & Brewster, 2022 |
Wilmot & Ones, 2021 |
Aamodt & Brewster, 2022 |
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Offenheit |
,09* |
,04* |
,04* |
−,03 |
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Gewissenhaftigkeit |
,09* |
,09* |
,15* |
−,06* |
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Extraversion |
,08* |
,05* |
,07* |
,00 |
|
Verträglichkeit |
,02 |
,05* |
,06* |
−,04* |
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Emotionale Stabilität |
,04* |
,07* |
,09* |
−,08* |
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Hinweis: *p < ,05 |
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Neben diesen klassischen kognitiven und persönlichkeitsbezogenen Anforderungen kommt im Polizeiberuf der sicheren Bewältigung komplexer dynamischer Situationen besondere Bedeutung zu. Eine Studie zu (simulierten) Einsatzfahrten zeigte, dass insbesondere die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit auf aktuell wichtige Aspekte einer Situation zu richten und irrelevante Aspekte unbeachtet zu lassen, entscheidend für die Spurhaltung und Unfallvermeidung in Einsatzfahrten sind (Zahabi et al., 2021). Diese Fähigkeit entspricht der Aufmerksamkeitskontrolle im Rahmen des CHC-Modells (Schneider & McGrew, 2018), welche im Rahmen des Arbeitsgedächtnisses als zentraler Prädiktor der Fahrsicherheit gilt (vgl. Zhang et al., 2023). Die verkehrsbezogene Überblicksgewinnung ist ein Spezialfall dieser Aufmerksamkeitskontrolle, und beschreibt die Fähigkeit, schnell relevante Reize in einer Situation zu identifizieren. Die Überblicksgewinnung sagte die Leistung in einem Gefahrenparcours in einer Gruppe von N = 161 Berufskraftfahrern vorher (r = ,25; Vetter et al., 2018).
Zusammenfassend zeigt sich, dass kognitive Leistungsfähigkeit, ausgewählte Persönlichkeitsmerkmale sowie Überblicksgewinnung im Verkehr zentrale Fähigkeiten für polizeilichen Ausbildungs- und Berufserfolg darstellen.
Die Test Solution „Polizist/-in“ umfasst daher folgende Dimensionen:
-
Logisch-schlussfolgerndes Denken (INT)
-
Langzeitgedächtnis (INT)
-
Raumvorstellung (INT)
-
Verbale Fähigkeit (INT)
-
Numerische Fähigkeit (INT)
-
Überblicksgewinnung (ATAVT-2)
-
Persönlichkeit: Emotionale Stabilität, Gewissenhaftigkeit, Offenheit, Verträglichkeit, Extraversion (FCB5)
Die Tabelle unterhalb gibt eine vollständige Übersicht der spezifischen Gewichtungen der Einzeltests zur Berechnung des Gesamtwerts für die Test Solution “Polizist/-in”. Die relative Gewichtung der spezifischen kognitiven Fähigkeiten wurde in der vorliegenden Test Solution auf Basis ihrer jeweiligen Ladung auf g vorgenommen (SCHUHFRIED, 2025e). Weitere Informationen zur Berechnung und Interpretation des Ergebnisses einer Testung finden Sie auf der Seite: Hinweise zur Auswertung und Interpretation.
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Polizist/-in |
Gewichtung |
|---|---|
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Kognitive Fähigkeiten |
85 |
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Logisches Schlussfolgern |
17 |
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Langzeitgedächtnis |
11 |
|
Raumvorstellung |
12 |
|
Numerische Fähigkeit |
15 |
|
Verbale Fähigkeit |
14 |
|
Überblicksgewinnung (Links / Rechtsverkehr) |
16 |
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Persönlichkeit |
15 |
|
Gewissenhaftigkeit |
4 |
|
Emotionale Stabilität |
4 |
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Extraversion |
2 |
|
Verträglichkeit |
2 |
|
Offenheit |
3 |
Falls zusätzlich länderspezifische Anforderungen an Lese- oder Rechtschreibfähigkeiten bestehen, können ergänzend Verfahren wie der ELST (English Language Skill Test) oder der WRST (Wiener Rechtschreibtest) eingesetzt werden. Abschließend ist festzuhalten, dass die Test Solution „Polizist/-in“ sowohl für Rechts- als auch für Linksverkehr verfügbar ist. Die Gesamtdauer der Test Solution „Polizist/-in“ beträgt 84 Minuten.
Polizei - Spezialeinheiten
Über den regulären Polizeidienst hinaus existieren in vielen Ländern Spezialeinheiten, etwa SWAT (USA), SEK (Deutschland), EKO Cobra (Österreich) oder kantonale Spezialeinheiten in der Schweiz. Diese rekrutieren in der Regel aus dem bestehenden Polizeipersonal, wobei die Anforderungen ihrer Tätigkeit über den normalen Polizeibetrieb hinausgehen. Eine Anforderungsanalyse verschiedener polizeilicher Berufsrollen, darunter Streifenpolizei und Sondereinheit (SWAT), zeigte jedoch, dass die kognitiven Grundvoraussetzungen in der schwedischen und US-amerikanischen Streifen- und Sondereinsatzpolizei von einer repräsentativen Stichprobe aktiver Polizeikräfte als weitgehend ähnlich eingeschätzt werden (Tedeholm & Bäckström, 2025). Im Persönlichkeitsbereich gewinnt im Sondereinsatz gegenüber regulärem Polizeidienst insbesondere emotionale Stabilität an Bedeutung (Garbarino et al., 2012).
Aufgrund des Einsatzes von Spezialeinheiten in hochbelastenden Szenarien wie Anti-Terror-Operationen oder Geiselnahmen scheint die Fähigkeit, unter Stress schnell und korrekt zu reagieren, besonders wichtig (Dominski et al., 2018). Dies zeigt sich auch in einer Anforderungsanalyse der Spezialeinheiten der Schweizer Polizei, welche unter anderem Entscheidungskompetenz unter Zeitdruck und Stressresistenz als zentrale Kompetenzen nannte (Muhly & Dössegger, 2025). In der Literatur werden enge Zusammenhänge zwischen Shoot-/Don’t-Shoot-Paradigmen und exekutiven Kontrollprozessen, insbesondere der inhibitorischen Kontrolle, beschrieben. Ein systematisches Review etwa zeigte, dass Trainingsprogramme exekutiver Funktionen – etwa zur Steuerung von Blickverhalten, Aufmerksamkeit und Entscheidungsfindung unter Zeit- und Stressdruck – auf polizeilich relevante Handlungssituationen übertragbar sind (vgl. Spiegel & Sutter, 2025).
Die Test Solution „Polizei – Spezialeinheiten“ erfasst daher zusätzlich zu obig genannten Dimensionen:
-
Reaktive Belastbarkeit, Fehlreaktionen (DT)
-
Reaktionsgeschwindigkeit, motorische Geschwindigkeit (RT)
Die Tabelle unterhalb gibt eine vollständige Übersicht der spezifischen Gewichtungen der Einzeltests zur Berechnung des Gesamtwerts für die Test Solution “Polizei – Spezialeinheiten”. Die Zusatztests der Test Solution „Polizei – Spezialeinheiten“ wurden soweit möglich an die genannten Literaturbefunde angepasst und ansonsten mangels solider empirischer Befunde durchschnittlich gewichtet. Weitere Informationen zur Berechnung und Interpretation des Ergebnisses einer Testung finden Sie auf der Seite: Hinweise zur Auswertung und Interpretation.
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Polizei - Spezialeinheiten |
Gewichtung |
|---|---|
|
Kognitive Fähigkeiten |
85 |
|
Logisches Schlussfolgern |
13 |
|
Langzeitgedächtnis |
8 |
|
Raumvorstellung |
9 |
|
Numerische Fähigkeit |
12 |
|
Verbale Fähigkeit |
11 |
|
Überblicksgewinnung (Links / Rechtsverkehr) |
11 |
|
Reaktionsfähigkeit |
10 |
|
Reaktive Belastbarkeit |
11 |
|
Persönlichkeit |
15 |
|
Gewissenhaftigkeit |
5 |
|
Emotionale Stabilität |
6 |
|
Extraversion |
2 |
|
Verträglichkeit |
1 |
|
Offenheit |
1 |
Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass die Fähigkeit der Überblicksgewinnung im Kontext von Spezialeinheiten nicht verkehrsspezifisch, sondern allgemein / abstrakt (Testform S3) erfasst wird, um dem diversen Tätigkeitsbereich gerecht zu werden. Die Gesamtdauer der Test Solution „Polizei – Spezialeinheiten“ beträgt 96 Minuten.
Das Literaturverzeichnis finden Sie hier: Literatur