Militär

Militärische Eignung

Militärische Tätigkeiten stellen hohe Anforderungen an kognitive Leistungsfähigkeit, Lernfähigkeit sowie an die sichere Bewältigung komplexer, häufig sicherheitskritischer Situationen. Fehlentscheidungen im Auswahl- und Zuweisungsprozess sind mit erheblichen individuellen, organisatorischen und gesellschaftlichen Kosten verbunden. Entsprechend kommt der psychologischen Eignungsdiagnostik im militärischen Kontext international eine zentrale Rolle zu.

Die meisten zentralen Metaanalysen und groß angelegten Einzelstudien zur Validität kognitiver und persönlichkeitsbezogener Prädiktoren im militärischen Kontext beziehen sich in weiten Teilen auf das US-amerikanischen Auswahlmodell. Dieses beruht auf der Armed Services Vocational Aptitude Battery (ASVAB), einer standardisierten Testbatterie zur Erfassung kognitiver Fähigkeiten. Aus den ASVAB-Subtests wird zum einen ein allgemeiner Fähigkeitsindex, der Armed Forces Qualification Test (AFQT), berechnet, der sich aus verbaler und numerischer Fähigkeit zusammensetzt und hoch mit fluider Intelligenz korreliert (r = ,54; Hambrick et al., 2023). Der AFQT kann somit als Indikator genereller mentaler Fähigkeit (GMA) dienen. Darüber hinaus werden im ASVAB jobspezifische Aptitude Area Scores gebildet, welche unterschiedliche Kombinationen spezifischer kognitiver Fähigkeiten für einzelne militärische Verwendungsbereiche abbilden.

Meta-analytische Befunde bestätigen die hohe Validität des AFQT für militärische Leistungskriterien: Eine aktuelle Metaanalyse von Cucina et al. (2024), die ausschließlich leistungsnahe Kriterien in Form von Hands-on Performance Tests (HOPT) berücksichtigte, berichtet korrigierte Varianzaufklärungen von etwa 20–25 % für AFQT-basierte Vorhersagen. Die Autoren zeigten zudem, dass jobspezifische Aptitude Scores gegenüber dem reinen AFQT zusätzliche Varianz aufklären können (ρ = ,55; korrigiert für Korrelation mit Varianzeinschränkung und Kriteriumsvalidität (vgl. Schmidt & Hunter, 1998)), wobei allgemeine kognitive Fähigkeit weiterhin die größte Vorhersagekraft hatte (ρ = ,44). Ergänzend belegen die Ergebnisse von Hambrick et al. (2024), dass die Validität der allgemeinen kognitiven Fähigkeit auch nach mehreren Jahren Berufserfahrung stabil bleibt und nicht durch zunehmende Erfahrung ersetzt wird. GMA bleibt somit auch bei erfahrenerem militärischem Personal ein zentraler Prädiktor beruflicher Leistung.

Neben der allgemeinen kognitiven Fähigkeit weisen auch spezifische kognitive Leistungsdimensionen inkrementelle Beiträge zur Vorhersage militärischer Leistung auf. Diese Bedeutung spezifischer Fähigkeiten spiegelt sich direkt in der Struktur und Gewichtung der US-amerikanischen Aptitude Area Scores wider, welche verbale, numerische, logisch-schlussfolgernde und räumliche Fähigkeiten gezielt mit Wissenstests kombinieren. Auch außerhalb des militärischen Kontextes finden sich Hinweise auf die Relevanz spezifischer kognitiver Fähigkeiten: Nye et al. (2022) berichten in einer meta-analytischen relativen Gewichtungsanalyse zum allgemeinen Berufserfolg, dass spezifische kognitive Fähigkeiten einen größeren Anteil erklärter Varianz aufweisen als der g-Faktor allein. Diese Befunde lassen sich jedoch aufgrund der fehlenden militärspezifischen Kriterien nicht unmittelbar auf militärische Tätigkeiten übertragen. Für bestimmte militärische Berufsgruppen, etwa im Bereich der militärischen Luftfahrt, zeigen Studien zudem, dass GMA zwar ein sehr guter Prädiktor ist, jedoch nicht ausreicht, um die Leistungsanforderungen vollständig abzubilden (Al Mamari & Traynor, 2021). Insbesondere im Kampfeinsatz ist weiters die Fähigkeit gefordert, unter Belastung schnell und korrekt zu reagieren (Dominski et al., 2018). Während Belastbarkeit oft als Persönlichkeitseigenschaft operationalisiert wird (z. B. Maddi et al., 2017), zeigen erste empirische Einzelstudien, dass reaktive Belastbarkeit in kognitiven Leistungstests einerseits mit der Belastbarkeit als Persönlichkeitseigenschaft (Volgemute et al., 2023) als auch mit der Nahkampfleistung (Maddi et al., 2017) zusammenhängt.

Im Vergleich zu kognitiven Leistungsmerkmalen weisen Persönlichkeitsmerkmale eine geringere, jedoch konsistente inkrementelle Validität auf. Dominanzanalysen im militärischen Kontext zeigen, dass Persönlichkeitsmerkmale gegenüber kognitiven Fähigkeiten deutlich geringere Beiträge zur Varianzaufklärung leisten (Darr & Catano, 2016). Eine Second-Order-Metaanalyse von Wilmot und Ones (2021) berichtet für Persönlichkeitsmerkmale eine korrigierte meta-analytische Varianzaufklärung von etwa 13% für den militärischen Berufserfolg, wobei eine relative Wichtigkeitsanalyse zeigte, dass Gewissenhaftigkeit (53%), Emotionale Stabilität (30%), und Offenheit (11%) die größten Beiträge lieferten. Nye et al. (2020) weisen darauf hin, dass insbesondere Forced-Choice-Persönlichkeitstests aufgrund ihrer hohen Verfälschungsresistenz gut für militärische Auswahlverfahren geeignet sind und künftig eine differenziertere Zuordnung von Persönlichkeitsprofilen zu militärischen Verwendungsbereichen ermöglichen könnten.

Zusammenfassend zeigen die vorliegenden Befunde, dass die allgemeine kognitive Fähigkeit den zentralen Prädiktor militärischer Ausbildungs- und Berufserfolge darstellt, ergänzt durch spezifische kognitive Fähigkeiten sowie – in geringerem Ausmaß – durch Persönlichkeitsmerkmale.

Die Test Solution „Militärische Eignung“ umfasst daher folgende Dimensionen:

  • Logisch-schlussfolgerndes Denken (INT)

  • Numerische Fähigkeit (INT)

  • Verbale Fähigkeit (INT)

  • Reaktive Belastbarkeit (DT)

  • Persönlichkeit: Gewissenhaftigkeit, Emotionale Stabilität, Offenheit, Extraversion, Verträglichkeit (FCB5)

Die Tabelle unterhalb gibt eine vollständige Übersicht der spezifischen Gewichtungen der Einzeltests zur Berechnung des Gesamtwerts für die Test Solution “Militärische Eignung”. Die Gewichtung der Dimensionen in der Test Solution „Militärische Eignung“ ergibt sich aus den dargestellten Metaanalysen, relativen Gewichtungsstudien und Dominanzanalysen. Die relative Gewichtung der spezifischen kognitiven Fähigkeiten wurde in der vorliegenden Test Solution auf Basis ihrer jeweiligen Ladung auf g vorgenommen (SCHUHFRIED, 2025e). Die Gewichtung der reaktiven Belastbarkeit wird mangels belastbarer empirischer Befunde als Mittelwert der Gewichte der anderen kognitiven Leistungsmerkmale realisiert. Weitere Informationen zur Berechnung und Interpretation des Ergebnisses einer Testung finden Sie auf der Seite: Hinweise zur Auswertung und Interpretation.

Militärische Eignung

Gewichtung Standardform

Gewichtung Screeningform

Kognitive Fähigkeiten

84

100

Logisches Schlussfolgern

23

37

Numerische Fähigkeit

21

33

Verbale Fähigkeit

19

30

Reaktive Belastbarkeit

21

-

Persönlichkeit

16

0

Gewissenhaftigkeit

5

-

Emotionale Stabilität

4

-

Extraversion

2

-

Verträglichkeit

2

-

Offenheit

3

-

Für alle militärischen Verwendungsbereiche wird ein einheitliches Screening eingesetzt. Aufgrund der besten und konsistentesten empirischen Evidenz basiert dieses Screening ausschließlich auf der allgemeinen kognitiven Fähigkeit. Es kommen dabei dieselben Testprinzipien zum Einsatz, die auch der Berechnung des AFQT zugrunde liegen, da diese über alle militärischen Berufsgruppen hinweg eine stabil hohe Validität zeigen. Persönlichkeitsmerkmale werden im Screening nicht berücksichtigt, da ihre relative Dominanz im Vergleich zu kognitiven Fähigkeiten deutlich geringer ist. Die Gesamtdauer der Screeningform beträgt 20 Minuten. Die Gesamtdauer der Test Solution „Militärische Eignung“ beträgt 55 Minuten.

Militärische Eignung - Technische Berufe

Technisch orientierte militärische Tätigkeiten, etwa in den Bereichen Wartung, Instandhaltung, Systembedienung oder technische Spezialisierungen, stellen über die allgemeinen militärischen Anforderungen hinaus besondere kognitive Anforderungen. Neben hoher allgemeiner kognitiver Leistungsfähigkeit sind insbesondere räumliches Vorstellungsvermögen sowie mechanisch-technisches Verständnis für die berufsspezifischen Anforderungen erforderlich.

Auch für technische militärische Tätigkeiten bleibt die allgemeine kognitive Fähigkeit ein zentraler Prädiktor der Ausbildungs- und Berufsleistung, wie die Befunde zur Validität des AFQT zeigen. Zusätzlich beinhalten viele der Anforderungsprofile technischer Berufe der US Army, Navy, und Air Force ASVAB-Subtests zur räumlichen Fähigkeit und zum mechanisch-technischen Verständnis (vgl. www.military.com, Zugriff am 22.12.2025; Hambrick et al., 2023), welche gemäß der obig genannten Metaanalyse zu jobspezifischen ASVAB-Scores inkrementelle Validität für den militärischen Berufserfolg erwarten lassen (vgl. Cucina et al., 2024).

Die Test Solution „Militärische Eignung - Technische Berufe“ ergänzt das Basismodell daher um folgende Dimensionen:

  • Raumvorstellung (INT)

  • Mechanisch-technisches Verständnis (MECH)

Die Tabelle unterhalb gibt eine vollständige Übersicht der spezifischen Gewichtungen der Einzeltests zur Berechnung des Gesamtwerts für die Test Solution “Militärische Eignung - Technische Berufe”. Die Gewichtung dieser zusätzlichen Dimensionen wurde, mangels belastbarer empirischer Befunde im Militärkontext, auf Basis von Metaanalysen zum allgemeinen Berufserfolg vorgenommen (Nye et al., 2022). Weitere Informationen zur Berechnung und Interpretation des Ergebnisses einer Testung finden Sie auf der Seite: Hinweise zur Auswertung und Interpretation.

Militärische Eignung - Technische Berufe

Gewichtung Standardform

Gewichtung Screeningform

Kognitive Fähigkeiten

84

100

Logisches Schlussfolgern

16

37

Numerische Fähigkeit

14

33

Verbale Fähigkeit

13

30

Raumvorstellung

12

-

Reaktive Belastbarkeit

14

-

Mechanisch-technisches Verständnis

15

-

Persönlichkeit

16

0

Gewissenhaftigkeit

5

-

Emotionale Stabilität

4

-

Extraversion

2

-

Verträglichkeit

2

-

Offenheit

3

-

Die Gesamtdauer der Test Solution „Militärische Eignung - Technische Berufe“ beträgt 75 Minuten.

Militär – Spezialeinheiten

Spezialkräfte zeichnen sich durch besonders hohe physische, psychische und kognitive Anforderungen aus. Auch für diesen Bereich bleiben die allgemeine kognitive Fähigkeit und Belastbarkeit zentrale Prädiktoren, wie Studien zur Auswahl von Special Forces zeigen (Beal, 2010). Gleichzeitig zeigen Anforderungsanalysen, dass in hochbelastenden Szenarien wie Anti-Terror-Operationen oder Geiselnahmen die Fähigkeit, sich schnell einen Überblick zu verschaffen um schnell und richtig zu reagieren besonders wichtig sei (Dominski et al., 2018; Muhly & Dössegger, 2025). Empirische Einzelstudien zeigen zudem deutliche Leistungsunterschiede in reaktions- und motorikbezogenen Fähigkeiten. Paśko et al. (2022) berichten, dass Angehörige von Spezialkräften signifikant bessere motorische Zeiten sowie schnellere Reaktionszeiten aufweisen als zivile Vergleichsgruppen, wobei die motorische Zeit eine höhere Validität aufwies. Diese Unterschiede zeigen sich sowohl bei einfachen Reaktionsaufgaben als auch bei Wahlreaktions- und komplexen Reaktionsaufgaben.

Die Test Solution „Militär - Spezialeinheiten“ umfasst daher zusätzlich folgende Dimensionen:

  • Überblicksgewinnung (ATAVT-2)

  • Motorische Zeit (RT)

  • Reaktionsfähigkeit (RT)

Die Tabelle unterhalb gibt eine vollständige Übersicht der spezifischen Gewichtungen der Einzeltests zur Berechnung des Gesamtwerts für die Test Solution “Militär - Spezialeinheiten”. Die Gewichtung dieser Dimensionen erfolgt auf Basis der verfügbaren empirischen Befunde, der Metaanalysen zur kognitiven Leistungsfähigkeit sowie unter Berücksichtigung des spezifischen Anforderungsprofils von Spezialkräften. Bei nicht ausreichend empirisch belastbarer Literatur entsprechen die Gewichte von anforderungsbezogenen Dimensionen dem Durchschnitt der anderen Gewichte. Weitere Informationen zur Berechnung und Interpretation des Ergebnisses einer Testung finden Sie auf der Seite: Hinweise zur Auswertung und Interpretation.

Militär - Spezialeinheiten

Gewichtung Standardform

Gewichtung Screeningform

Kognitive Fähigkeiten

84

100

Logisches Schlussfolgern

15

37

Raumvorstellung

12

-

Numerische Fähigkeit

14

33

Verbale Fähigkeit

13

30

Reaktive Belastbarkeit

11

-

Reaktionsfähigkeit (Reaktionsgeschwindigkeit)

1

-

Reaktionsfähigkeit (Motorsche Geschwindigkeit)

7

-

Überblicksgewinnung

11

-

Persönlichkeit

16

0

Gewissenhaftigkeit

5

-

Emotionale Stabilität

4

-

Extraversion

2

-

Verträglichkeit

2

-

Offenheit

3

-

Die Gesamtdauer der Test Solution „Militär - Spezialeinheiten“ beträgt 80 Minuten.


Das Literaturverzeichnis finden Sie hier: Literatur