Klinische Anwendung

Dieses Beispiel veranschaulicht, wie WTS Analytics die kognitive Rehabilitation und das longitudinale Monitoring von Patientinnen und Patienten unterstützen kann.

Sie sind Neuropsychologin bzw. Neuropsychologe in einem beruflichen Rehabilitationszentrum, das sich auf die kognitive Rehabilitation nach Schlaganfall, traumatischer Hirnverletzung oder substanzbezogener Störung spezialisiert hat. Zur Beurteilung des neurokognitiven Funktionsniveaus verwenden Sie die SFS Test Solutions Neurokognitive Kurztestung und Substanzgebrauchsstörungen - Neurokognitive Testung als grundlegendes Screening neurokognitiver Domänen. Abhängig von der Anamnese der Patientin bzw. des Patienten können Sie zusätzliche Dimensionen hinzufügen, um spezifische kognitive Funktionen weiter zu untersuchen.

Das individuelle kognitive Profil einer Patientin bzw. eines Patienten kann bereits im Testresultatbericht eingesehen werden. Sie entscheiden sich jedoch, WTS Analytics zu verwenden, um die Ergebnisse der Patientin bzw. des Patienten nicht nur mit der normativen Referenzpopulation, sondern auch mit der durchschnittlichen Leistung von Patientinnen und Patienten mit derselben Diagnose in Ihrer Klinik zu vergleichen.

Um diesen Vergleich zu ermöglichen, geben Sie die Eingangsdiagnose als Auswertecode für jede Testperson in WTS Online ein.

Vergleich der Patientin bzw. des Patienten mit der klinischen Stichprobe

Nach der Testung öffnen Sie Ergbnisse - Vergleich mit Durchschnitt in WTS Analytics. Im Panel Einstellungen und Information wählen Sie die einzelne Patientin bzw. den einzelnen Patienten aus, deren bzw. dessen Ergebnisse Sie analysieren möchten.

Anschließend schränken Sie die Vergleichsstichprobe durch Anwendung von Filtern ein. Unter Filter begrenzen Sie den Datensatz auf:

  • Patientinnen und Patienten aus Ihrer Klinik

  • die relevante demografische Gruppe

  • die entsprechende Diagnosegruppe

Danach aktivieren Sie im Panel Einstellungen und Information Konfidenzintervalle anzeigen und wählen T-Werte als Kennwert für den Normwert. T-Werte sind normalverteilt mit einem Mittelwert von 50 und einer Standardabweichung von 10, was einen angemessenen statistischen Vergleich zwischen einer Einzelperson und einem Stichprobenmittelwert ermöglicht.

Die Ergebnisse werden mit den Ärztinnen und Ärzten sowie Psychologinnen und Psychologen geteilt, die an der Therapie der Patientin bzw. des Patienten beteiligt sind. Dadurch können diese erkennen, wie die Patientin bzw. der Patient nicht nur relativ zur Normpopulation, sondern auch relativ zur klinischen Population abschneidet, die typischerweise im Zentrum behandelt wird. Solche Vergleiche bieten Therapeutinnen und Therapeuten klinisch relevante Referenzpunkte für ihre tägliche klinische Arbeit.

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Die Analyse zeigt, dass die Patientin bzw. der Patient im Kurzzeitgedächtnis (SPAN S1) zwei Standardabweichungen unter dem Mittelwert der Normpopulation liegt. Im Vergleich zur typischen Patientinnen- und Patientenpopulation der Klinik liegt die Leistung jedoch leicht über dem Durchschnittsniveau. Unter Berücksichtigung von Stichprobengröße und Testreliabilität ist dieser Unterschied statistisch nicht signifikant.

Im Logischen Denken liegt die Patientin bzw. der Patient drei Standardabweichungen unter dem Mittelwert der Normpopulation und damit auch unter der durchschnittlichen Leistung der Klinik für Patientinnen und Patienten mit derselben Diagnose. In diesem Fall ist der Unterschied statistisch signifikant, da sich die Konfidenzintervalle nicht überlappen.

Gleichzeitig zeigt die Patientin bzw. der Patient deutliche kognitive Stärken. Konzentrationsfähigkeit und Verarbeitungsgeschwindigkeit liegen über dem Durchschnitt, und die kognitive Flexibilität scheint weitgehend unbeeinträchtigt. Diese Befunde liefern wertvolle Informationen für die Erstellung eines individualisierten kognitiven Rehabilitationsplans.

Monitoring des kognitiven Fortschritts über die Zeit

Nach einiger Zeit in Therapie wird die Patientin bzw. der Patient erneut getestet, um mögliche Verbesserungen zu überwachen.

Zur Bewertung von Leistungsänderungen öffnen Sie Ergebnisse - Vergleich über Zeit in WTS Analytics und wählen erneut die betreffende Patientin bzw. den betreffenden Patienten aus. Zu diesem Zeitpunkt hat die Person Follow-up-Testungen für Arbeitsgedächtnis und Verarbeitungsgeschwindigkeit absolviert.

Um festzustellen, ob die beobachteten Veränderungen statistisch bedeutsam sind, aktivieren Sie Normwertdifferenzen (RCI) anzeigen. Diese Option berechnet den Index zuverlässiger Veränderung (RCI), der die Reliabilität des Tests berücksichtigt.

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Bei einem Signifikanzniveau von 95 % und einseitiger Testung, also einer gezielten Prüfung auf Verbesserung, erreicht die beobachtete Verbesserung von 13 T-Wert-Punkten noch keine statistische Signifikanz.

Wenn Sie mit der Maus über das Diagramm fahren, können Sie die Werte direkt prüfen für:

  • die Normwertdifferenz

  • den p-Wert

  • den Index zuverlässiger Veränderung (RCI).

Zum Zeitpunkt der Entlassung absolviert die Patientin bzw. der Patient erneut die vollständige kognitive Testbatterie.

Mithilfe von Ergebnisse - Vergleich über Zeit vergleichen Sie die Ergebnisse von Zeitpunkt 1 (Aufnahme) mit Zeitpunkt 3 (Entlassung). Dadurch erhalten Sie rasch die Indizes zuverlässiger Veränderung, Wertdifferenzen und Normwerte über alle kognitiven Variablen hinweg.

Diese Ergebnisse bieten eine objektive Grundlage zur Beurteilung der kognitiven Erholung der Patientin bzw. des Patienten während der Rehabilitation und können in die abschließende klinische Dokumentation aufgenommen werden.